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17.07.2008 Kantine - CRÜXSHADOWS, AKANOID, PROJECT MES
by Cy
PROJECT MES
Der Abend begann und während ich die langsam einströmenden Leutchen beobachtete, machte sich auch langsam der erste Musiker des Abends, Project Mes, auf die Bühne. Trip Hop, Wave, Industrial also. Der Apple Mac stand bereit, der Fanclub auch. Was soll ich sagen - die Kantine gibt lokalen Openern gerne eine Chance und unterstützt somit massiv die örtliche Szene. Leider zeige das Project Mes eher keine so überzeugende Bühnenshow - die noch sehr junge Ein-Mann-Band versuchte zwar mit Accessoires wie Snare Drums einiges rüberzubringen, aber Ein-Mann bleibt Ein-Mann, und das hat noch nie so wirklich Live funktioniert. Da muß sich MES trotz guter musikalischer Ideen noch einiges einfallen lassen - nichts für ungut :-)
AKANOID
Als AKANOID die Bühne betrat, konnte ich zunächst nichts über die Band sagen. Die vier Musiker gingen aber bereits beim Aufbau mit einer Routine zu Werke, die hoffen lies. Tatsächlich erkannnte man bereits nach den ersten wenigen Tönen, dass einem da brillianter und neumodischer Gothic-Rock (nennt sich Elektro-Pop :-))
präsentiert wurde. Die Truppe um Sänger Hilton, der an diesem Abend bedauerlicherweise mit Heiserkeit zu kämpfen hatte, war und ist bereits noch eine Weile mit den CRÜXSHADOWS auf Tour und das führt hoffentlich zu zwei Dingen:
zum einen fände ich eine anständige Webseite ganz toll - nur MySpace ist zu wenig :-) Zum anderen hoffe ich, die Band bald auf einem Wave Gotik Treffen wiederzusehen, um sie in einem groß-bühnigen Umfeld beurteilen zu können.
Bedauerlicherweise erkannte das Potential der Band wohl nur wenige Leute im Publikum. Obwohl der Applaus laut, anständig und ordentlich war, fühlte ich mich mit meinen beiden Fotografen-Kollegen etwas einsam da vorne, wo sonst niemand stand. Gute 8 Meter trennten Publikum von Musikern. Vor 20 Jahren, sage ich, wäre das nicht passiert!
Hiltons Stimme - obwohl heiser an diesem Abend - ist eindrucksvoll, professionell, tiefgängig und sympathisch. Er hat eine druckvolle Art seine Songs zu präsentieren.
Phil überzeugte mit präzisem Gitarrenspiel und einer Wirbelwind-Show. Der junge Mann ist der, der die Bühne in Bewegung hält. Ich fühlte mich an die extrem geile Band STELLAR CORPSES erinnert, auch wenn die Bewegung von AKANOID die Psychobilly-Band an Bewegungsfreudigkeit noch nicht erreicht. Was nicht schlimm ist, kaum eine andere Band kann diese Band erreichen.
Unterstützt von einem präzisen Drum, das von Dirk gespielt wurde, und von Daggy, die manchmal etwas gelangweilt drein blickte (oder konzentriert? das weiß man bei Künstlern ja nie so ganz), bildete die Band eine kompaktes Gesamtpaket, bei dem meiner Meinung nach nur noch der wummernde Bass fehlt - denn den gab es nicht und für mich als anerkannten Bassfetischisten ist das natürlich Blasphemy. Alles klang wirklich gut, nur sehr hochfrequenzig, vergleichsweise. Vielleicht ist genau der Bass der Grund, warum die Leute vorne an der Bühne stehen und nicht ganz hinten, wie es die Augsburger Gemeinde an diesem Abend hier tat.
Musikalisch erinnerte das Ganze an verschiedene Bands - manchmal war es Depeche Mode, manchmal neuere Silke Bischoff, manchmal war es recht eigenständige Pop-Musik. Es ging abwechslungsreich zu Gange, alle Songs sind gut auskomponiert und sehr schön arrangiert. Die Band könnte auch gut mit Wolfsheim auf Tour gehen.
Obwohl sich Hiltons stimmlichen Aktivitäten ein wenig in den oberen Regionen überschlugen, war das Konzert in meinen Augen sehr gelungen und macht Lust auf mehr. Wer also Lust auf eingängigen und groovigen Elektro-Pop hat, sollte dringend mal AKANOID aus den deutschen Landen supporten - und vielleicht mal ein paar Schritte nach vorne wagen.
CRÜXSHADOWS
Die CRÜXSHADOWS machten sich bemerkbar und das bis dato recht reservierte Augsburger Publikum war mit einem Rutsch vorne. Es fühlte sich an, als ob einem eine schwarze Welle über seinem Kopf zusammenschlägt - blub, und schon waren sie da. Eng und aneinander geschmiegt ist es schon etwas schwerer ein paar Fotos zu machen. Bereits die ersten Töne brachten die schweigsamen Schwaben zum Jubeln: ganz klar, die CRÜXSHADOWS würden heute ein leichtes Spiel haben.
Tatsächlich feiern die CRÜXSHADOWS ihre größten Erfolge in Deutschland. Wer sich das Bühnenbild so ansieht, kann sich vorstellen wieso: 7 Mann/Frau entern die Bühne und beginnen mit eingängigen Songs, einer Menge Bumm-Bumm und viel nacktem Fleisch düstere Technomusik vorzustellen. Musik dieser Art - so ohne jeglichen Punk oder Rock and Roll ist nun mal hauptsächlich in Europa, speziell in Deutschland In. Wie auch immer - das einen Freud des anderen Leid: Ich habe selten eine Band gesehen, die eine so perfekt arrangierte Bühnenshow hat.
Hatte ich bei AKANOID vorher bereits die Routine erwähnt? Gegen CRÜXSHADOWS war das chaotischen Fliegentreiben. Hier saß jeder Handgriff. Sogar auf das Mischen hatte Rogue, seines Zeichens Boss der CRÜXSHADOWS, massiven Einfluß. Ein Griff zu einer Box am Ende der Bühne, schon schmetterte eine Salve Bass aus den Boxen. Kein Wunder, sagen manche Kenner, die CRÜXSHADOWS sind ja auch gut auf 100 Konzerten oder so pro Jahr unterwegs. Man merkt es den Leuten an: jede Bewegung saß.
Das bezieht sich vor allem auf die umfassende Tanzshow der Band. Zwei Tänzerin räkelten sich auf der Bühne, mal mit Fahnen bewaffnet, mal mit Bondage-Tapes mal ohne alles. Wir sprechen hier übrigens nicht von 'hey, wir haben ne tanzmaus, die sieht sexy aus' Frauen, wir sprechen hier von Tänzerinnen, die offensichtlich etwas von ihrem Geschäft verstehen. Wir sprechen von tief gebogene Körpern, Arrangement und auf die Songs abgestimmte Bewegungen. Also sprechen wir von einem professionellen Niveau. Hier hatte man
tatsächlich das Gefühl, dass die Mädels Teil der Band sind. So manch einer dürfte von Sarah Kilgore und Jessica Lackey schlaflose Nächte beschert bekommen haben.
Ebenfalls sehr tänzerisch ging es an der Gitarre zu Rande. Valerie, wie alle Damen in der Band, bildhübsche junge Frau, konnte sich wohl nicht zwischen Tanz und Gitarren-Spiel entscheiden. Hier gab es keine Heavy-Metal Solos zu sehen, aber dafür eine ganz eigene Art Gitarre zu spielen. Hier spielten vor allem viel weibliche Reize - was ich für leichte Kompositionen, wie die CRÜXSHADOWS sie oft präsentieren, für äußerst angebracht halte. Der Unterhaltungswert jedenfalls war enorm.
Rogue jedoch übertraf seine Frontfrauen noch - ungezügelt sprang er mit Headset bewaffnet ins Publikum, erklomm meterhohe Tische, tanzte Arm im Arm mit dem Publikum oder sprang auch mal auf einen wackeligen Barhocker. Mit viel leuchtenden Accessoires hatte er sich wohl schon vorher auf so eine Art Show vorbereitet, die stets Teil des CRÜXSHADOWS Repertoires ist, und war somit immer gut sichtbar. Das Publikum war begeistert und feierte mit jeder Minute mehr und mehr.
Stimmlich sagt man dem Mann nach, dass er noch zu üben hätte. Teilweise waren die Töne tatsächlich nicht pefekt getroffen, aber man konnte dies nur hören, weil Rogues dunkle Stimme soviel Dominanz in der Musik einfordert. Andere Bands haben Live auch leichte Probleme, die aber wieder von z. B. dem dichten Soundteppich aufgefressen werden. Wie dem auch sei, teils wackelte es leicht, teils war der Gesang sehr fest und bodenständig. Wenig gesangliche Variationen zwar - aber das macht ja nichts. Das haben wir ja schon bei den SISTER OF MERCY geliebt.
Mit den beiden Violinen von David Wood und Johanna Moresco, die sich im hinteren Bereich der Bühne bewegten und der Meisterin der Synths Jen Jawidzik bot sich auch hier ein sehr kompaktes, 100% eingespieltes Gesamtteam, dass in ihrem Unterhaltungswert auf Partys seinesgleichen sucht. Das Set war tight vorgetragen, und zwar so stimmig, dass man sich manchmal die Frage stellen mußte, ob da noch alles mit rechten Dingen zugeht. Wie auch immer, die Party war großartig. Und wie sich gezeigt hat, passt die Art von Musik auf die Szene wie die Faust aufs Auge: frustriert gebe ich zu, dass die Zeit des Batcave, Pogo, von The Cure, 45 Graves und anderen wohl endgültig vorbei ist. Die Musik der Szene ist wohl Musik, wie CRÜXSHADOWS sie anbieten.
Wie gelesen, handelte es sich bei diesem Konzert um ein runderhum gelungenes Ereignis in der Kantine. Die Augsburger Kantine veranstaltet dieses Jahr noch so einige Konzerte, die für den schwarzen Zuhörer interessant sein könnten. Demnächst CINEMA STRANGE, ANNE CLARK oder auch DER FLUCH, die ich schon am WGT genossen habe. Well, die Kantine ist definitiv der richtige Rahmen dafür und mit den tausenden Parkplätzen direkt vor der Tür bequem zu erreichen :-)
http://www.cruxshadows.com/
http://www.myspace.com/cruxshadows
http://www.akanoid.de
http://www.myspace.com/projectmes
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